indern der däni- schen und eingeborenen Bevölkerung von Vestmannö9 als wesentlich mass- gebend nachgewiesen hat §. 305. Der von mir in der vorliegenden Arbeit vielfach bedaueite Mangel einer brauchbaren Mortalitätsstatistik macht sich bei eioem Studium der Geschichte von Apoplexie in einer um so empfindlicheren Weise bemerklich, als die in den Sterb- lichkeitslisten vorherrschende Willkürlichkeit in der Nomenklatur schon eine allgemeine Schätzung der Häufigkeit des unter diesem Namen zusam- mengefassten Symptomencomplexes unmöglich macht, noch weniger aber die in denselben gegebenen Daten uns auch nur entfernt dazu belahif^eo, jenen allgemeinen, vieldeutigen Begriff in seine einzelnen Elemente zu zer- legen, worauf es bei der vorliegenden, vorzugsweise vom ätiologischen Standpunkte geführten, Untersuchung wesentlich ankommt Nicht wenifrer unbedeutend und unbrauchbar sind aber auch die aus zahlreichen Punkten der Erdoberfläche vorliegenden, meist vereinzelten Daten über das ,4>äQ- flge*" oder „seltene" Vorkommen der Krankheit, und so werde ich mich in der folgenden Darstellung von der geographischen Verbreitan^ Organ -Ennkheiten. Apoplexie. 591 OD Apoplexie darauf beschränken müssen, die wesentlichen Unterschiede D Allgemeinen her^^orzuheben, welche sich in dieser Beziehung innerhalb er grosseren klimatischen Zonen erkennen lassen. Aus der Polarzone lauten die über das Vorkommen von Apople- ie daselbst abgegebenen, äusserst sparsumen Nachrichten so unbestimmt, 888 wir den Umfang des Leidens in diesen Gegenden auch nicht im Enl- »rntesten zu bemessen vermögen, in den höheren und mittleren reiten Europas, wie namentlich in Russland, auf der skandina- i8ehen Halbinsel, in Dänemark, Deutschland, Belgien, Eng- iiid u. 8. w. scheint die Krankheit ziemlich allgemein und gleichmässig srbreitet zu sein, wenigstens ergeben die Mortalitätsstatistiken verschiede- sr Punkte innerhalb jenes Gebietes ziemlich gleiche Zahlen: so beträgt e Sterblichkeit an Apoplexie auf 10000 Bewohner berechnet in Copenhagen^ nach lljährigem Mittel 11.6 Hamburg 2) tf 9 >» „ 15.5 Braunschweig 3) »« 1 •9 „ 12.0 Halle«) »> 10 »» „ 13.5 Würzburg«) f» 4 9» .. 11.6 Berlin«) »» 7 9» „ 16.0 Finnland T) >» 2 »> .. 12.5 Irland«) M 1 »» „ 18.6 England ^) >» 5 »» „ 13.5. Dass Apoplexie im südlichen Europa nichts weniger als selten, ndestens in derselben Frequenz, wie in den zuvor genannten Breiten, an- troffen wird, scheint mir nicht zu bezweifeln; schon Celsus^^^) nannte die ankheit eine in Italien häufig vorkommende, bekannt sind die späte- 1 Mittheilungen aus dem Ende des 17. und Anfang des 18. Seculums n Baglivi^i) undLancisi ^^), die sich wenigstens zum grössten Theile f Apoplexie, resp. die Häufigkeit derselben an verschiedenen Punkten liens beziehen, und eben dahin ist auch die Schrift von Mistichelli^^) zählen, und in derselben Weise äussern sich auch neuere Berichter- lUer aus Rom**), Venedig, von wo u. a. Frank **) bemerkt: „Pcyola lihi pluries retulit, apoplexiam Venetiis morbum communissimum sistere,** •ncr aus Genua *•), Neapel^'') u. s. w,; nach den Mortalitätslisten von üland^^, Turin 1^) und Palermo ^^ ist die Sterblichkeit hier allerdings heblich kleiner, als in den höher gelegenen Gegenden Europas, sie be- ll^ auf 10000 Bewohner berechnet in Mailand nach 88jährigem Mittel 11.9 „ Turin „ 10 „ „11.9 „ Palermo „ 1 •, n 9.4 i) Kacli den MortalitXtsliften in Bibl. for Lügtfr nnd Sondhetskonefrinini Forbmndllnger. S) Naeh den Todtenllsten In Hamb. Zeitschr. für Med. Band 18—41. S) Helmbrecbt ibid. XXVU. 449. 4) Bärensprang in AbhandL der Natarförieh. eetellfoh. in UaUe I. 64. 5) Virchow, Beitr. bot BUtUtik der Stadt Wttrxborg. Wiirsb. 1859. 6) Nach den Todtenlisten in IIa fei and Joum. der prakt. Heilkde. 7) Babbe in Finska Läkar. BäUsk. HandL IL 148. UI. 27. 8) Wylde in Edinb. med. Mid targ, Jonm. LXIII. 876. 9) Nach den statistischen Berichten des Registrar- Oeneral für die Jahre 1851 — 66. 10) De med. IIb. III. oap. 'i7. Ed. Targa. Argen- tor. 1806. 168. 11) Prax. med. oap. 9 nnd Dissert VUl. Opp. Antwp. 1715. 111. 688. if) De sabitaneis mortibns übr. 11. In Epd. Opp. 18) Trat. deU' apoplessia. Rom. 1780. 14) Nonr. Joam. de M^d. XV. 105. 15) Prax. med. nnir. praeo. Part IL YoL L Beet 1. Lps. 1818. 887. 16) Descrisione di Oenora etc. Oenor. 1846. 17) de Bensi, Topogr. e sUtist med. etc. NapoL 1845. 886. 18) Ferrario, Statist med. dl ICUaiio. MO. 1888. L 886. 19) Inlormas. Statist di Btatl «ax4L ^WV. TorlBO 1847. 80) Ferrario, Btatist delle moite impxo^Vat. IU^kmi \»^ vw t98 Hirioh» liiito ri gc h googn^hiaolid Ptthologia Im sOdlichen Spanien, speciell in Catalonien ^) kommt Apopiea häufig vor, Foltz^) nennt sie unter den auf Minorca am häuf^ beobachteten Krankheiten , aus der Morlalitatsslatistik S) der Civilbcii' kerung von Malta ersehen wir, dass nach einem 12jährigen Doick- schnitte die Sterblichkeit an Apoplexie hier 11.8 auf 10000 Bewote beträgt, ebenso erklärt Rigler^j, dass die Krankheit in der Türkei häufig, ab und zu sogar in einer fast epidemischen Verbreitung voAoM und auch in den subtropisch gelegenen Gegenden der östlichen Bat Sphäre scheinen wesentliche Unterschiede in der Krankheitsfrequenz gefei die zuvor genannten Breiten nicht zu bestehen, wenigstens wird Api- plexie von Pruner^^) in Egypten, von Kämpfer^) und Miller- mayer^ auf Madeira und von Schwarz^ im Caplande als sek häufig vorkommende Krankheit bezeichnet — Ueber die Kraokbeilsf»' quenz in den höheren Breiten der westlichen HemisphäreM- len mir alle verlässlichen Daten ^; im Anfange dieses JahrbmdaB scheint die Krankheit daselbst etwas seltener als in den entspreebei^ Breiten auf europäischem Boden beobachtet worden zu sein^^. heule f^ den wir sie in New Orleans in nahe demselben Verhältnisse, «ieB den sudlichen Gegenden Europas, nach den Mortalilätslisten i<) deiJi^ res 1839 betrug die Sterblichkeit an Apoplexie daselbst unter den Weissen 9.1) « -iaaaa d i. .. „ Schwarzen 10.3} *»f 10000 Bewohner. Was schliesslich das Vorkommen von Apoplexie in den Tropei anbetrifft, so liegen in dieser Beziehung ebenso auffallende, als voriäoit nicht zu lösende Widerspruche vor. — Während Chapotln^ * Krankheit als eine in den Tropen, und speciell auf Ile-de-Friact sehr häufig vorkommende bezeichnet, erklärt Dutroulau^') auf seine« Senegambien, Cayenne und Westindien gemachten ErfahmofO gestützt, dass dieselbe in den Tropen, namentlich unter den farbipi Racen und den akklimatisirten Europäern, sehr selten beobachtet vM und eine Bestätigung dieser Angabe finden wir in dem Berichte «» Thevenot**) aus Senegambien, der während eines mehrjähr^ Aufenthalles daselbst nicht einen Fall von Apoplexie zu Gesichte b^ kommen hat, und in den Millheilungen von Forström**) bezüglich <to Antillen, wogegen andererseits die Beobachtungen von Clarke'^jiJ der Westküste von Afrika, von CampbelM-^) aus Ober-Sin^t (Indien), von Thomson i^) auf Ce ylon, von Plesan ts ^•j aus Bf^ silien und von Smith 20) von der Koste von Peru jedenfalls dtn^ weis liefern, dass die Exemption, der sich jene tropisch gelegenen Pooij' von Apoplexie erfreuen, keine absolute Gültigkeit für die Tropen im Aß- gemeinen hat; allerdings scheint die Krankheit hier im Allgemeinen selieö^ zu sein als in höheren Breiten, und zwar wahrscheinlich noch selwjtf als jene Berichte vermuthen lassen, wenn man von der gewiss gereö'l' 1) Cujnat hl M^m. de TAcad. des Sc. de Lyon. Ann^e 1843—4. 8. 2) Epidemio inflaence ot evil ffovernment etc. New- York 1843. ^ 8) TuUooh, Statist reports etc. Lood. 1839. 69. 4) L c 374. &) l* *''til» 6) Hamb. Zeitechr. für Med. XXXIV. 159. 7) ICadeira und seine Bedeitiartf'^ lan«vort Heldelb. 1855. 8) Zeitschr. der Wiener Aente 1858. €30. ^ ^ 9) Die IforUlitätssUtUtiken ans New -York, Philadelphia, Balümore n. a.StUW'^ Amerikas geben so übertrieben kleine Zahlen für Apoplexie, dass diei«lbcs «v^ Vertrauen verdienen. 10) Hildreth in Amer. Joam. ot med. 8c. 18S<^ Ivx-^ 11) Stark in Bdinb. med. and surfr. Joum. LXXV. ISO. 17) 1. e. 81. 18) Trait^ des maladies des Europtens dans les ^js chaads. Par. 1861. 11. SS. 109. .x^ 14) 1. e. 248. 15) Svenska Läkare Sällskapets HandL IV. S31. 16) Tnnisft «,^ London Epldemiol. Society. Lond.1862. I. 114. 17) Lond. mad. Times i8&l.t**ü; gl 18) Brit and foreign med..chir. Beriew 1854. Ootbr. 19> Amer. Joub. «f»-* 18ASL JoU na. 80) Edink med. «nd •nnv. ^ovn. LVL 8M. Orgtn-KmiUMiten. Apoplexie. 698 igten Voraussetzung ausgeht, dass von den Beobachtern in den Tro- I Apoplexie vielfach mit tiefem Spiritus- oder Opiumrausche und noch hr mit Coup-de-soleil undCoup-de-chaleur verwechselt worden ist^)» ruber später das Nähere. §. 806. Mit Röcksicht auf die Vieldeutigkeit des Begriffes „Apo- xie*" vom anatomisch - pathologischen Standpunkte wird man bei einer irtheilung des Modus von dem Vorkommen und der Verbreitung der mkheit, resp. derjenigen kausalen Verhältnisse» welche diesen Modus lingen, gewiss nicht fehl gehen, wenn man den Grund für die Präva- i der Krankheit an den verschiedenen Punkten der Erdoberfläche nicht einem oder mehreren, allen Gegenden gemeinsamen ätiologischen Mo- nten sucht, sondern von der Voraussetzung ausgeht, dass, während der einen Seite gewisse klimatische oder Bodenverhältnisse, so von andern, hygieinische Einflüsse, allein oder in Verbindung mit jenen, jenigen pathologischen Zustände bedingen, als deren schliesslicherAus- ck den Beobachtern der als Apoplexie bezeichnete Symplomencomplex ^egentritt Ich bin bei dem momentanen Stande unserer Erkenntniss Tdings nicht im Stande, die der Speciflcität der vorherrschenden Ur- he entsprechende Eigenthömlichkeit des die Apoplexie bedingenden inkheitsprocesses thatsächlich zu erhärten, ich spreche diese Ansicht Imehr nur als eine Vermuthung aus, die sich mir aus den mir vor- enden Thatsachen aufdrängt, und welche gewisse für die exacte ätio- ische Forschung beachtenswerthe Gesichtspunkte ergiebt. Die Frage, ob klimatische Verhältnisse einen wesentlichen Ein- ;s auf die geographische Verbreitung von Apoplexie äussern, durfte, vor- gesetzt, dass sich die Tropen in der That einer gewissen Exemption I der Krankheit erfreuen, wohl um so mehr bejaht werden können, m man die Abhängigkeit, welche die Krankheit in ihrem Auftreten serhalb der tropischen Gegenden von gewissen jahreszeitlichen I Witterungsverhältnissen zeigt, in Betracht zieht Was zu- hst die Jahreszeit anbetrifft, so ergiebt die Statistik folgende* Resultate T die Frequenz von Apoplexie in den einzelnen Monaten, es starben in Malta in Mailand^ in London in Berlin in Copen- ha?en im December 147 1075 199 127 „ Januar 207 1176 218 187 „ Februar 188 1080 189 118 )„ Winter 587 8281 1660 601 877 im März 173 956 215 106 „ April 131 848 197 108 n Mai 114 829 217 110 ) „ Frätilin^ 418 2633 1627 629 824 im Juni 93 681 171 102 „ Juli 86 689 152 111 „ August 80 645 131 87 ) „ Sommer 259 2015 1420 454 800 im September 97 718 r» October 112 822 ff November 117 963 > » Herbste 326 2503 147 93 196 117 196 120 1620 539 330 1) y«nl. Korehcad, Clinleal rtMareh. on dttMM la Indl^ Lond. U54. IL tn. r«rr«Tla, SUtM. d41« ■<»«• impioTiM «to MUaM int. 57. 594 Hirtoh, hutoriioli geognphitohe Palliologie. Es geht aus diesen Daten mit aller Evidenz das Vorhemcb^\ v^- Rrankheit zur Winterszeil, demnächst in den Herbst- und FnhS^^ ^^ naten, und ein auffallendes Zurücktreten während des