Cartellieri für Böhmen Q. v. A. geltend gemacht wird. §. 20. Unter den, das Vorherrschen von Lungen- und Brustfellent- zändungen zur Winter- und Frühlingszeit bedingenden Witlerungs Verhält- nissen verdient vor allem der Einfluss der Temperatur in Betracht ge- zogen zu werden. — Ob eine absolut niedrige Temperatur, resp. Kälte, ein wesentliches Moment für die Pathogenese, und speciell für die Häu- figkeit von Brustentzündungen abgibt, scheint mir, den vorliegenden That- sachen nach, sehr zweifelhaft Allerdings hat Pleuropneumonie wiederholt bei intensiver Kälte epidemisch geherrscht, so in den Jahren 1557 und 1562 in den Niederianden *), 1613 in Gualda. 1709 in Bern, 1754—55 in Basel und Artois, 1762 in einem grossen Theile der Schweiz, 1780 — 81 in Como, 1787 in Padua u. a., oder doch, bei sporadischem Vorherrschen, zur Zeit der stärksten Kälte eine wesentliche Exacerbation gezeigt; so macht u. a.Bateman^) darauf aufmerksam, dass seit dem strengen Winter 1794—95 in London keine so intensive Kälte als im Winter 1813 bis 1814 geherrscht hatte, und dass eben dieser Winter durch die enorm (rosse Zahl tödllicher Lungen- und Brustfellentzündungen ausgezeichnet war, und fügt hinzu : „Persons of all ages have suffered from these attacks, Jbut young children and persons who had passed the middle age have Jbeen most severely and fatally afTected .... the increased mortality, .oecasioned by severe winters, has generally, indeed, fallen heaviest upon Jhe aged and young children, whose vital powers are possessed of less «energy than during the intermediate periods of life, and it is by afTecting „the lungs more parlicularly, in both these classes, that intense cold „exerts its deleterious influence on the delicate frames of such persons," de Bordes^ erklärt, dass in den Niederlanden strenge Winterkälte einen bemerkenswerthen Einfluss auf das Morlalilätsverhältniss an Pneumonie tagt, Schützenberger*) weisst nach, dass während des Vorherrschens ^Km Pneumonie im Winter 1854 — 56 in Strassburg die grösste Zahl der litte gerade in den kältesten Monaten (Januar und Februar) vorkamen und 1) Vergl. hiesu den später mitgetheUten epidemiologischen Bericht 2) Reports ob tbe diseases of London etc. London 1819. 894. 8} Nederl. WeekbL voor Geneesk. 1866 K. SS. ts. 4) Gm. mtfd. de Btraiäb. 186« N.S. 32 Hirtoh, hiitoriflch geographifche Pathologie. zählt intensive Kälte zu den wesentlichsten ätiologischen Momenten d< Paüiogenese; Rigler bemerkt, dass der lang andauernde strenge Winti 1857—58 sich in Gratz durch euie Steigerung der Frequenz von Lungei entzfindung in auffallender Weise gegen frühere Winter auszeichnete, tue Küttlinger schliesst aus der Krankheitsstatistik Erlangens, dass kall Winter einen ungünstigen Einfluss in der genannten Beziehung äussern. - Gegen den aus diesen Thatsachen gezogenen Schluss bezüglidi der Kranl heitsfrequenz ist jedoch geltend zu machen, dass 1) Pneumonie und Pleuritis gerade in denjenigen Gegenden, wo dl intensivste Kälte herrscht, wie namentlich in vielen der nördlichsten b( wohnten Gegenden Europas und Amerikas keineswegs auffallend häufl| ja sogar, wie es scheint, dort seltener als in niederen Breiten gelegene und unter einem milderen Clima stehenden Landschaften vorkommen, un namentlich nordamerikanische Aerzte, wie u. a. Wotherspoon üo Goolidge aus Maine, Bartholow aus dem, auf der Hochebene vo Utah gelegenen Fort Bridger, Baden aus Steilacoom u. a. auf die Se tenheit entzündlicher Lungenleiden in dem kalten Clima jener Gegendei und zwar selbst unter Individuen, die aus einem anderen Clima dahing« kommen sind, aufmerksam machen, 2) in einer weit grösseren Zahl von Fällen, wo Pleuropneumonie ep demisch auftrat, die Krankheit nicht zur Zeit der intensiven Winterkäli sondern eben erst vorzuherrschen anfing, nachdem diese nachgelassc hatte, wie u. a. 1568 in Oberitalien, 1571 und 1574 in Paris, 1602 i Imola, 1685 am Genfer See, 1709 in Languedoc, 1758 in der Proveno 1767 in Vivarais, 1777 in Bemay, 1785 in Ansauvill6 u. s. w., oder dai die Epidemie gerade mit Eintritt starker Kälte erlosch, wie u. a. 1762 i Wallis und Bern, endlich 3) dass aufmerksame Beobachter in nördlichen Gegenden gera^ während strenger Winter selten Pneumonien in grösserer Frequenz gesehc haben, wie u. a. Franko) in Wilna, der bemerkt: „Vilnae peripnemiM „nias sub maximo gelu raro videre contigit. Rigidissima luit hien „anni 1812, tamen nequidem in fugitivo Napoleontis exei „citu, intemperiei atmosphaerae omnino exposito, obvenic „baut peripneumoniae", und Huss aus Schweden, welcher der E klärung, dass niedere Wintertemperatur, wenn sie anhaltend ohn Veränderung ist, für sich keine grössere Neigung zur Entstehung di Lungenentzündung zu erzeugen scheint, als die Wärme des SonouBMi die gewiss sehr beachtenswerthe Bemerkung hinzufügt, dass es dann gN wiss mehr der, im Winter bedeutendere, Unterschied zwischen der Tan peratur im Hause und in der freien Luft, als eben die Kälte an sich, ii welcher die grössere Frequenz von Brustentzündung bedingt Wenn es demnach zweifelhaft erscheint, ob und in wie weit Kälte a sich als ein wesentlicher ätiologischer Faktor für das Vorkommen v< Äieumonie und Pleuritis anzusehen ist, so ist dagegen plötzlicher m starker Temperaturwechsel mit um so grösserer Bestimmtheit a eines der mächtigsten pathogenetischen Momente für die genannten Kraal heiten zu bezeichnen. „Wftbrend der Frahlingsmonate**, bemerkt Hnst'), „kommen die fritartl „Verftndeningen in den TemperatanrerhAltnUteD vor, nicht nor von einem Tage ap »,andern, sondern auch wAhrend der verschiedenen Stunden des Tages «nd b esoadi „twischen Tag und Nacbt. Diese Verftndemngen scheinen die am denttiehsten |S iidisponirende Ursache der Entstehung der Lnngenentztindnng in sein, and da dal 1) Prai. med. udIt. piaeoepta. Part a VoL IL 8eoL I. Ups. ISM. |il. 8) L e. « isen Jahfon w«it atiflkneiideT ersclifiDeiii als in andern* so liegt darin die wahr- lalicli« Erkl4rtinfi «arom dte Anzahl jener Kntiündungen fn einem Jahre grdiser ih in eipem niidcro. Im llonale Ikini trcOen sich gewöhnlich die schneUsIcn ptfalonreTÄtjdGrtjrigen, sowohl von einem Tilge zum andern, aU besonder» zwU B llitl«f utsd Abend: die Aniahl der Lungeaentzändnngen iit auch in dieietn ftte {} Pneunjonfa biliosa als die tödt- Üninklieit unter den Indianern angesehen werden mnsa — Nächst den ilianischen Staaten finden wir des Vorkommens von Malaiiapneu- iDonie in Brasilien gedacht; in sehr bedeutendem Umfange ferner herrschl ie Krankheil, wie ans dem vorLrefTlichen Berichte von Calteloup^) [lertorgehl, und j^war in beiden Formen, in Algier, nnd nach den oben Miuheilungen vonSavagnoli in den Toscani sehen Maremmen; li in Indien ist sie, nnd zwar namentlich hiuitig unter den Einge- n in Bombay, von Morehead beobachtet worden. *— Weit häufi- •beini Malariapncumonie, in Form der Combination von Malariafieber Pneumonie, vereinzelt in vielen Malariagegenden als mehr oder weni- verbreiiete Epidemie vorzukommen; derartige Mittheilongen finden wir Foates^J aus Minorka, Bianchi*) aus Turin, wo die Krank- im J, 1718 geherrscht hat, bei Ilunter^), welcher über das Autlre- derseiben nnter den engfischen Truppen während des Krieges in A f- li an ist an berichtet, sodann aus verschiedenen Gegenden Frankreichs, a a. bei Grilouliere *), der über eine Epidemie der Krankheit im Bier 1832 im Canlon d'Aubin (Dpi. Aveyron) Millheilung macht und he^rüTlich des Verhaltens der tungenaJFection während des Fieher- in folgender Weise ausspricht: ,,Ce n>st que dans ie plus re de eas, il est vrai, que j'ai elt^ a portee d'examiner les ma- Ädrs duranl Ie paroxysme, qni arrivail presque toujours la nuiL Mais» ^tanl que j*ai pu m'en assurer, Ie phlegmon s'etendait blen d*une ma- ^i^^re plüs sensible alors, mais il ne semblait pas diminuer ensuite, •cotDme la üevre et les autrcs accidens, Une parlie du poumon, une fois ^Taille« ne revenail guere a son etat naturei que Ton n'eüt combaüu la lÄdie par les nioyens vraimenl efficaces", und bei Loydreau ^], wel- in Chagny (einer Malaria gegend) in den Jahren 1856 und 1857 meh- FäJle dieser Form von Malariapneumonic beobachtet hat, — Bemer- werih in ätiologischer Beziehung ist übrigens noch der Umstand, dass e, dem übereinstimmenden Urlheüe aller Beobachter zu- iDlgi: , sehend zm Zeit starker Temperaturwechsel, im Winter und UMiliDg aulvm, und dass „Erkältung'' ein wesentliches veranlassendes Qt für die Erkrankung abgibL §^ 32* Im Anhange zu dem Capitcl über Pneumonie habe ich noch Eeihe von Krankheilsformen zu gedenken, welche unter den Namen n o g e n m e l a n s e, B e rg s u c h t, B e r g a s l h m a , S c h I e i f e r s c h w i n d- ichip Grindcr's phthisls, Miner' s consiimption, Min er' s, nf o* Sv w. bekannt sind, und welche Das mit einander gemein haben, ■s gie Ui genetischer Beziehung auf die Einwirkung einer die Bronchial- li i\M* tu* 11 0« U tuteiunoitb il'AJ^lqne. P&r. Iä&». S) B«t Olerborn J. c. Ibi. «tof. bepat QeneY. IIS5 t 736, 5) Bombiiy med. tr, ül. ins. .X. vM. de Psrii tSlS N. 54, 53. 7] Gur. des lii>vU. l»f^T. iSO. w s^ 4^tiH «, tt, llowftrd^ flihe ditentte JR mo^t ciouiinon durin^ the c^older montha *f jikm jr««r aitct In th« m^tiri^ of tmtäncei, 1» rtzfenblQ to cfttiiea cuimected iritb Um wj- «iLiB 4f 0014 ftjul AtfDiMpJiArle vlolailtudei." aif««b. y«L C««sr* P»lhoL IL 4 50 Hirsoh, hirtoriioh geographiaohe PaftliologiA. Schleimhaut und das Lungengewebe mechanisch reizenden Schädlichk^ zurückgeführt werden können, in anatomisch-klinischer dem Begriffe eiiiei chronischen Broncho -Pneumonie entsprechen. Am bekanntesten und i» teressantesten unter diesen Krankheiten ist namentlich das als Lungenmelanose bekannt gewordene Leiden, welches vor den übrigen dadurch ausgezeich- net ist, dass in einem früheren oder späteren Stadium der Krankneit dei Lungenauswurf eine schwarz pigmenlirte oder auch wohl ganz schwarz F&rbung zeigt und dass in der Leiche neben den Erscheinungen chroot scher Bronchitis, Bronchectasie, Emphysem oder chronischer (eitpgei(] Pneumonie das Lungengewebe mehr oder weniger reichlich mit eioien dunkeln, oft